Text und Fotos: Monika Fischer
«Maria zu lieben», sangen wir jeweils in der Maiandacht. Diese besuchten wir im Monat Mai jedoch nicht aus Frömmigkeit. Vielmehr lockte uns die Möglichkeit, am Abend nach dem Nachtessen nochmals hinauszugehen und Schulgschpänli zu treffen.
(Fortsetzung)
Im Rosenkranzgebet faszinierte mich der auf- und abschwellende, rhythmisierte Singsang der alten Frauen mit der Betonung «hei-lige Maria, Mutter Gottes, bitt für uns arme Sünder…». Lautstark sang ich die bekannten Marienlieder mit. «Maria zu lieben». Wie wunderbar war es doch, eine überirdische Mutter zu haben, die überall und jederzeit für mich da war und ihren weiten Mantel als Schutz und Schirm nicht nur für die Christenheit, sondern für alle Menschen weltweit ausgebreitet hatte. Es gab mir das gute Gefühl, allzeit behütet und aufgehoben zu sein.
Schwatzend und lachend machten wir uns nach der Andacht auf den Heimweg. Dabei vergassen wir häufig den Blick auf die Kirchenuhr und kamen verspätet nach Hause. In unserem Übermut hatten wir beim Schimpfen der Mutter rasch unsere Ausreden bereit.
In der Zeit meiner Kindheit schwirrten an lauen Abenden auch noch viele Maikäfer herum. Diese richteten als gefrässige Engerlinge damals an den Kulturen grossen Schaden an. Wenn wir die in einem Kesseli gesammelten Insekten an einer entsprechenden Stelle abgaben, bekamen wir ein paar Batzen.
Wie gut erinnere ich mich auch an das Maikäferlied im Maggi-Liederbuch, dessen Tragweite ich jedoch damals nicht erfassen konnten. Wir hatten keine Vorstellung davon, was ein Krieg war, und das Pommerland war sehr sehr weit weg.
Im Gedanken daran, wie das von der katholischen Kirche propagierte Vorbild der unbefleckten Maria Generationen von Frauen leidvoll prägte und wie heute die Berichte über Kriege und Krisen die Menschen zeitnah erreichen, erfasst mich eine tiefe Dankbarkeit über meine unbeschwerte Kindheit.
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