Schliessen

Wer hat ein Zimmer frei?

Text: Andrea Fetz

Wer hat ein Zimmer frei?
Eine Freundin sagte mir, wenn sie einmal ohne Partner zurückbleiben würde, zöge sie mit Freude in eine kleine Wohnung und geniesse ein Leben ohne viel Aufwand. Ich kann mir das nicht vorstellen! Zu sehr liebe ich das kleine Haus mit Garten, in dem ich mich so wohl fühle – MEIN ZUHAUSE. Hier fühle ich mich geborgen, wenn das Leben mich fordert, und diese Wände sind Zeugen von wunderschönen Erinnerungen. Und ich muss damit rechnen, dass die Miete einer zwei-bis drei- Zimmerwohnung meine aktuellen Wohnkosten sogar überschreitet. Doch was soll ich mit vielen Räumen, ganz allein?

(Fortsetzung)

Es wäre eine zu grosse Verschwendung von Wohnraum, der dringend gebraucht wird. Haus und Garten wohnlich zu erhalten, braucht einige Arbeitsstunden. Und ich werde nicht jünger.
Vor einigen Monaten brachte die Tagesschau einen Beitrag über Wohnen für Hilfe der Pro Senectute. Der Gedanke dahinter ist, die Bedürfnisse zweier Generationen unter ein Dach zu bringen. Studierende suchen dringend günstigen Wohnraum während ihrer Ausbildung. Im Gegenzug bieten diese der älteren Generation Hilfe in Haus und Garten. Neugierig suchte ich die vertraglichen Rahmenbedingungen dieser Vereinbarung und war freudig überrascht. Da kann auch Begleitung zu kulturellen Anlässen, Gesellschaft leisten – zB. Vorlesen und Gespräche, aber auch Vermitteln von Sprach- oder Informatik-Kenntnissen gewünscht werden. Was für ein Luxus!
Auch wenn ich in meinen Vorstellungen hier ins Schwärmen gerate, ist mir die entsprechende Herausforderung bewusst. Seit jeher geniesse ich den Umgang mit jungen Menschen, früher familiär und beruflich und heute in der Begleitung von jungen Menschen während einer Weiterbildung. Für ein Zusammenleben braucht es mehr. Bad und Küche zu teilen ist etwas sehr Privates. Auch der offene Wohnbereich und die Ringhörigkeit des Hauses vereinfachen die Sache nicht. Befriedigend ist die Vorstellung, nicht ganz allein zu sein.
Das Hauptanliegen des Projekts ist der Austausch zwischen den Generationen. Wer zusammenpasst, wird sorgfältig abgeklärt. Beide Parteien geben mittels Fragebogen ihre Bedürfnisse an. Und erst wenn sich die Parteien mehrmals getroffen haben und die Chemie stimmt, wird eine Vereinbarung abgeschlossen.
Auch wenn Bedürfnisse und Gewohnheiten vorgängig gut abgesprochen werden, fühlt es sich im Alltag manchmal anders an. Es braucht Mut, auftretende Unstimmigkeiten anzusprechen und Offenheit, auch neue, ungewohnte Lösungen in Betracht zu ziehen. Die Pro Senectute bietet bei Bedarf Unterstützung dazu. Die Auseinandersetzung mit einer jungen Person und ihren Eigenheiten kann nur ich leisten. Die Generation Z hat andere Werte und Ziele. Die Geschwindigkeit der Sprache und Ausdrucksweise haben sich geändert. Werde ich im täglichen Leben damit zurechtkommen? Wie wird es sich anfühlen, wenn sich eine andere Person in meinem Wohnzimmer aufhält? Natürlich könnte ich das in der Vereinbarung ausschliessen. Damit vergebe ich mir aber auch die Chance eines vermehrten Miteinanders. Für andere zu kochen und neue, unbekannte Menüs von anderen zu essen, ist mir ein Genuss. Ich lerne gerne neue Rezepte kennen und schätze den Austausch darüber.
Noch sind diese Gedanken Hypothesen. Meine Situation ist zurzeit eine andere. Ob ich in ein paar Jahren noch rüstig genug bin, weiss ich nicht. Aber ich weiss, dass ich dieses Abenteuer eingehen möchte. Ich kann nur dazu gewinnen. Pro Senectute Wohnen für Hilfe

Wir verwenden Cookies und ähnliche Technologien, um das Nutzererlebnis auf unserer Website zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Website stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies und ähnlichen Technologien zu. Mehr erfahren