Täglich sehen wir die Bilder von Menschen auf der Flucht. Menschen in überfüllten Booten. Männer und Frauen, die Absperrgitter niederzureissen versuchen. Überfüllte Flüchtlingslager. Familien, die mitten in Städten «campieren» - und immer wieder Kinder: an der Hand der Eltern, spielend, unter einer Decke auf einem Gehsteig schlafend, weinend.
Diese Bilder beschäftigen mich im Alltag bei speziellen Ereignissen besonders stark. Beim bangen Warten auf die Geburt des jüngsten Enkelkindes oder am Spitalbett der kranken Enkelin. Ich denke an die Eltern und Grosseltern der Kinder auf der Flucht: Bangen diese nicht ebenso um die Gesundheit und Sicherheit ihrer Kinder und Enkel und wünschen sich das Beste für deren Leben? Was geht in jenen Grosseltern in Kriegsgebieten vor, wenn sie keine Nachrichten von ihren Kindern und Enkelkindern haben? Wenn sie von einem gesunkenen Flüchtlingsboot hören? Oder von der immer grösser werdenden Mauer um die Festung Europa?
Die Bilder der Flüchtlingsströme machen mir bewusst, wie privilegiert wir in der Schweiz sind. Die komplexe und scheinbar ausweglose Situation rund um die weltweiten Fluchtend Migrationsbewegungen kann aber auch Resignation, Ohnmacht und Angst auslösen. Ich denke dabei an die Zukunft meiner Enkelkinder. Wie wird sich ihr Leben angesichts der Veränderungen auf verschiedensten Gebieten gestalten? Welche Lebensmöglichkeiten werden sie haben, wenn die Welt dermassen aus den Fugen zu geraten scheint? Wenn der Primat von Geld und Macht sich ausbreitet und mitmenschliche Werte mehr und mehr verdrängt?
Kann es eine Lösung sein, einfach wegzuschauen, sich von allem Elend abzuschotten und nur noch um das Wohlergehen und eine gute Zukunft der eigenen Familie besorgt zu sein? Ich bin überzeugt: Eine solche Haltung ist für unsere Enkelkinder nicht zukunftsweisend, ist doch eines sicher: Angesichts der weltweit verknüpften politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge wird die Schweiz längerfristig keine Insel bleiben.
So versuche ich immer wieder, mich von den Bildern der Ströme von flüchtenden Menschen nicht lähmen zu lassen, können wir doch in unserem beschränkten Rahmen einiges tun. Indem wir mit unserem Stimm- und Wahlzettel zu einer Gesellschaft und Politik beitragen, die nicht nur unseren, sondern auch den Enkelkindern fremder Grossmütter eine menschenwürdige Zukunft ermöglicht, indem wir den bei uns lebenden geflüchteten Menschen mit offenem Herzen begegnen und etwas von dem geben, was wir meist im Überfluss haben.
© 2016 Monika Fischer
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