Mit 87 Jahren blickt Ruth Schaub auf ein bewegtes Leben zurück:
Kindheit als Jüdin, zwei Ehen, Berufsfrau und alleinerziehende Mutter...
Heute ist sie körperlich angeschlagen, aber das hindert sie nicht am
Aktivsein. Die politisch Interessierte schrieb kürzlich einen
persönlichen Brief an Bundesrat Schneider-Ammann gegen den Waffenexport
in Bürgerkriegsländer - mit Erfolg. Aus Sorge um die Umwelt wurde sie
Mitinitiantin der KlimaSeniorinnen und hat beim Bund eine Einzelklage
eingereicht.
«Selbstbestimmung und Abhängigkeit. Erwartungen von Frauen ans hohe
Alter» heisst die Neue Studie der GrossmütterRevolution. Darin zeigt
sich: Für die meisten Menschen steht die Selbstbestimmung im Zentrum.
Sie haben grosse Mühe mit Abhängigkeit, obwohl sie eine Alltagserfahrung
ist. "Im Austausch miteinander sollten wir deshalb eine Haltung
gegenüber den Zumutungen des Lebens entwickeln", hiess es am Herbstforum
der GrossmütterRevolution im November. Diese Haltung übten die
Teilnehmerinnen direkt in Gruppen anhand der Frage: «Welche Hilfe kann
ich annehmen und von wem?» Auch hier zeigte sich: Viele Frauen haben
Mühe, Hilfe aus dem nahen Umfeld anzunehmen. Im Gegensatz dazu fällt die
Annahme von professioneller und bezahlter Hilfe (z.B. Spitex) leichter.
Die Frauenikone Christiane Brunner und einstige Bundesratskandidatin
tritt gegen Barbara Gysi als Nachfolgerin von Paul Rechsteiner für das
Präsidium des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes ein. Sie gewichtet
regionale Interessen höher als diejenigen der Frauen. Ein Trauerspiel,
findet Bernadette Kurmann.
Wir freuen uns, wenn Sie unseren monatlichen, elektronischen Brief
lesen und im Sinne der Vernetzung an Menschen aller Generationen
weiterleiten.
Die Arbeitsgruppe Frauen-Weis(s)heitenMonika Fischer und
Bernadette Kurmann
Ruth Schaub (87) ist dankbar über ihr gutes Netz, an dem sie zeitlebens geknüpft hat.
Kämpferin für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen
Foto und Text: Monika Fischer
«Ich bin das reinste Ersatzteillager», lacht Ruth Schaub (1931) mit Galgenhumor. Sie geht an zwei Stöcken. Das Handy mit dem eingerichteten Alarmknopf hat sie um den Hals gehängt. Mehrmals ist sie im Sommer bei über 30 Grad wegen der Hitze kollabiert, einmal sogar beim Hausarzt. Aus Sorge um die Umwelt wurde sie Mitinitiantin der KlimaSeniorinnen* und hat beim Bund auch eine Einzelklage eingereicht. Damit möchte sie das Grundrecht auf Gesundheit durchsetzen, für sich und für künftige Generationen. Sie zeigt auf die Foto ihrer Grossfamilie mit den fünf Kindern, den 18 Enkel- und 11 Urgrosskindern. «Auch sie sollen eine lebenswerte Zukunft haben.» Wenn Ruth Schaub spricht, ist von ihrer körperlichen Gebrechlichkeit wenig zu spüren, im Gegenteil. «Ich war zeitlebens eine Kämpferin und habe mich eingesetzt für das, was mir wichtig war. Obwohl es oft wenig brachte, habe ich nicht resigniert. Mit dem Alter bin ich gar radikaler geworden.»
Frauen in Auseinandersetzung mit Hochaltrigkeit am Forum der GrossmütterRevolution
Was Frauen sich fürs hohe Alter wünschen
Monika Fischer
Viele Frauen im dritten Lebensalter haben grosse Mühe mit der Abhängigkeit. Sie möchten im hohen Alter nicht von den Angehörigen gepflegt werden. Neben der Spitex brauche es deshalb gut ausgebaute Betreuungsangebote. Dies zeigt die dritte, im Auftrag der Manifestgruppe der GrossmütterRevolution verfasste Studie «Selbstbestimmung und Abhängigkeit. Erwartungen von Frauen an das hohe Alter.» Die Verfasserinnen Marie-Louise Barben und Elisabeth Ryter präsentierten sie anfangs November am ausgebuchten Herbstforum der GrossmütterRevolution. Basierend auf neun Fokusgesprächen mit 68 Frauen im Alter zwischen 55 und 75 Jahren möchte sie die Stimmen der heutigen GrossmütterGeneration sicht- und hörbar machen und zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Alter anregen. Jessica Schnelle, Projektleiterin Generationen beim Migros-Genossenschafts-Bund, freute sich über die spürbare Energie der rund100 anwesenden Frauen. Diese sei nötig für den Dialog, wie wir in Zukunft in unserer Gesellschaft mit Fragen der Hochaltrigkeit umgehen, wenn nicht die Kosten, sondern die Lebensqualität der Menschen im Zentrum stehen soll.
Barbara Gysi aus dem Kanton St. Gallen stellt sich als Nachfolgerin von Paul Rechsteiner für das Präsidium der SGB zur Verfügung. Sie hat einen Hochschulabschuss, ist seit 13 Jahren Stadträtin in Wil, war Kantonsrätin, seit 2011 sitzt sie im Nationalrat, ist Präsidentin des Bundespersonalverbandes und Mitglied von UNIA und SGB. Sie tritt klar für Frauenanliegen am Arbeitsplatz ein, und die Gewerkschaften würden endlich gerne eine Frau an ihrer Spitze haben. Eigentlich ist alles klar. Wäre da nicht die Frauenikone Christiane Brunner. Sie tritt klar für Gysis Kontrahenten ins Feld und bevorzugt damit die Region gegenüber der Frauenfrage. Das bewirkt bei manch einer Frau Unverständnis, ja Entsetzen.
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